Wir messen, bevor wir planen: Wie die PV-Anlage auf der Kita in Riesa ausgelegt wurde

Projekte

Im vorigen Beitrag haben wir die Prognose für die ASB-Kita Kunterbunter Schmetterling neben die Werte aus dem ersten Betriebsjahr gelegt. Aber wie entsteht eine solche Prognose überhaupt? 

Die kurze Antwort lautet: nicht auf dem Dach, sondern im Zählerschrank.


Warum die Dachfläche allein nicht reicht

Die naheliegende Methode, eine PV-Anlage zu planen, ist die Dachfläche: ausmessen, Module darauf verteilen, Ertrag berechnen. Für ein Einfamilienhaus mag das genügen. Bei Bestandsgebäuden mit eigenem Nutzungsrhythmus – wie eine Kita, eine Schule, ein Pflegeheim, einen Betrieb – resultiert das darin, dass die Anlage mittags viel einspeist und zu den Zeiten, in denen das Gebäude tatsächlich Strom braucht, nichts beiträgt. 

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie viel Strom ein Dach liefern kann, sondern wann und wie viel das Gebäude darunter tatsächlich verbraucht.


Schritt 1: Den Verbrauch messen

Bevor wir eine PV-Anlage für ein Bestandsgebäude planen, installieren wir für mehrere Wochen ein Messgerät direkt am Hausanschluss. Alle 15 Minuten zeichnet es die bezogene Leistung auf, getrennt nach den drei Phasen. Daraus entsteht ein Lastprofil, das ein präzises Bild davon zeichnet, wann das Gebäude wie viel Strom braucht – an Werktagen, am Wochenende, bei Tag und bei Nacht.

Bei der Kita in Riesa lief die Messung im März 2025 über zwei Wochen. Das Ergebnis:

  • An Werktagen verbrauchte die Kita rund 44 kWh, am Wochenende rund 15 kWh.

  • Die erste Lastspitze lag um sechs Uhr morgens, deutlich bevor die Sonne auf dem Dach steht. Weitere Spitzen folgten gegen elf und gegen 14 Uhr, mit einem Maximum von rund 6,6 kW.

  • Nachts lag der Verbrauch konstant bei etwa 640 Watt – durch Kühlgeräte, Technik und Standby-Verbraucher, die unabhängig von der Belegung laufen.

Hochgerechnet ergab das einen Jahresverbrauch von rund 12.700 kWh. Vor allem aber ergab das Profil die wichtige Erkenntnis, dass der Verbrauch der Kita und die Sonne nicht zur gleichen Zeit stattfinden.


Schritt 2: Die Größenordnung festlegen

Aus dem Lastprofil ließ sich ablesen, wie groß die Anlage ungefähr werden sollte und ob ein Stromspeicher überhaupt sinnvoll ist. Bei einem Gebäude, das seinen Strom überwiegend tagsüber zwischen zehn und 15 Uhr verbraucht, kann ein Speicher überflüssig sein. Bei einer Kita aber, die morgens um sechs und nachmittags um 14 Uhr die höchste Last hat, ist er die Voraussetzung dafür, dass der Dachstrom auch wirklich dort ankommt, wo er gebraucht wird.


Schritt 3: Varianten durchrechnen

Im Planungsprogramm haben wir die Anlage anschließend für das konkrete Gebäude ausgelegt. Die Preise für Module, Wechselrichter, Speicher und Montage stammten aus einem tatsächlichen Angebot unserer Fachfirma für dieses Objekt, nicht aus Pauschalwerten. Auf dieser Grundlage haben wir verschiedene Auslegungen durchgespielt: mit und ohne Speicher, unterschiedliche Speicherkapazitäten, mehr oder weniger Modulleistung.

Dabei verfolgen wir zwei zentrale Ziele. Für den Kunden zählt ein hoher Autarkiegrad, also ein möglichst großer Anteil Eigenstrom an seinem Verbrauch. Für uns als Betreiber zählt eine hohe Eigenverbrauchsquote, also möglichst wenig Einspeisung, weil wir den erzeugten Strom an den Kunden liefern und nicht ans Netz. Die Auslegung muss beides tragen und wirtschaftlich dabei selbstverständlich darstellbar bleiben.

Bei der Kita gab der Speicher den Ausschlag. Ohne ihn hätte die Anlage rechnerisch nur rund 42 Prozent Autarkie erreicht. Mit 16,6 kWh Speicherkapazität lag die Prognose dagegen bei 57 Prozent, erreicht wurden im ersten Jahr 59,6 Prozent.


Schritt 4: Messung ja, Anlage nein

Nicht jede Messung führt zu einem Angebot. Zeigt das Lastprofil, dass eine PV-Anlage für das Gebäude keinen Sinn ergibt, weil bspw. der Verbrauch zu gering ist, zur falschen Zeit anfällt oder das Dach nicht passt, teilen wir das dem Interessenten transparent mit und belassen es dabei. Das kommt vor und ist uns lieber als eine Anlage, die ihre Prognose nicht erreichen kann.

Prognosen über Einsparungen in Euro gibt es bei uns nicht. Die konkrete Ersparnis hängt vom Stromtarif ab, den der Kunde sonst zahlen würde, und diese Rechnung kann nur er selbst anstellen. Was wir nennen, ist die realistische Größenordnung des Eigenverbrauchs, und die lässt sich aus einer Messung deutlich sicherer ableiten als aus einer Schätzung.


Fazit

Die Messung am Hausanschluss ist der Teil der Planung, der für den Kunden quasi unsichtbar bleibt. Sie dauert einige Wochen, kostet ihn nichts – aber entscheidet maßgeblich darüber, ob eine Anlage wirklich zum Gebäude passt oder nur zum Dach. Bei der Kita in Riesa hat sie den Speicher begründet und damit den Unterschied zwischen rund 42 und knapp 60 Prozent Eigenversorgung.


Wenn Sie wissen möchten, wie das Lastprofil Ihres Gebäudes aussieht, sprechen Sie uns an. Die Messung ist der erste Schritt, und sie verpflichtet zu nichts.

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