Prognose vs. Realität: Was eine PV-Anlage auf einer Kita in Riesa nach einem Jahr geliefert hat

Projekte

Wer über eine Photovoltaikanlage für ein Bestandsgebäude entscheidet, bekommt vorher Prognosezahlen auf Papier. Aber ob sie gestimmt haben, sieht er erst Jahre später. 

Bei der ASB-Kita Kunterbunter Schmetterling in Riesa ist das erste Betriebsjahr nun fast um: Zeit, die Planung von damals mit den gemessenen Werten abzugleichen.

Das Projekt

Die Kita in der Werner-Seelenbinder-Straße wird seit dem 21. November 2025 von einer PV-Anlage mit 10,8 kWp Leistung auf dem Dach und einem Stromspeicher mit 16,6 kWh Kapazität im Keller versorgt. Geplant, gebaut und betrieben wird die Anlage von uns. Das heißt: Der Träger hat keine Investition getätigt und trägt keine Betriebskosten, den Strom vom eigenen Dach bezieht er zu einem festen Preis.

Zwei entscheidende Kennzahlen

Ob eine PV-Anlage zu einem Gebäude passt, lässt sich an zwei Werten ablesen, die unterschiedliche Fragen beantworten:

Der Autarkiegrad gibt an, welchen Anteil seines Strombedarfs das Gebäude selbst deckt. 57 Prozent Autarkie bedeuten: 57 Prozent des verbrauchten Stroms kamen vom Dach oder aus dem Speicher, 43 Prozent aus dem Netz. Diese Zahl interessiert den Betreiber, weil sie seine Stromrechnung bestimmt.

Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welcher Anteil des erzeugten Stroms im Gebäude auch tatsächlich verbraucht wurde. 78 Prozent Eigenverbrauch bedeuten: 78 Prozent der Erzeugung blieben im Haus, 22 Prozent wurden ins Netz eingespeist. Diese Zahl zeigt, wie gut die Anlagengröße zum Verbrauch passt.

Die Prognose aus dem Frühjahr 2025

Vor der Auslegung haben wir den Stromverbrauch der Kita gemessen und auf dieser Basis die Anlage im Planungsprogramm dimensioniert. Die Ertragsprognose für ein durchschnittliches Jahr lag bei einem Autarkiegrad von 57,4 % und einer Eigenverbrauchsquote von 78 %. Das entspricht rund 4,4 t vermiedenen CO₂-Emissionen pro Jahr.

Was die Anlage tatsächlich geliefert hat

Nach gut zehn Monaten Betrieb stehen die Werte bei einem Autarkiegrad von 59,6 % und einer Eigenverbrauchsquote von 70,9 %.

Der Autarkiegrad liegt über der Planung. Die Kita deckt also einen etwas größeren Anteil ihres Bedarfs selbst als vorhergesagt.

Die Eigenverbrauchsquote liegt darunter. Das bedeutet: Die Anlage hat mehr Strom erzeugt, als die Kita in den jeweiligen Stunden abnehmen oder speichern konnte. Der Überschuss wurde ins Netz eingespeist. 

Beide Abweichungen haben dieselbe Ursache: ein gegenüber der Annahme höherer Ertrag  – und sie erklären sich gegenseitig.

Für den Betreiber ist das kein Nachteil: Sein Netzbezug ist geringer als geplant. Für uns ist es ein Hinweis für künftige Projekte mit ähnlichem Verbrauchsprofil. Ob eine größere Speicherkapazität oder eine etwas kleinere Modulfläche das bessere Verhältnis ergeben hätte, prüfen wir bei der nächsten Auslegung dieser Art.

Bis zum vollen Betriebsjahr im November werden sich beide Werte voraussichtlich noch etwas an die Planung annähern, weil die ertragsschwachen Wintermonate stärker ins Gewicht fallen.

Was eine Prognose leisten kann – und was nicht

Eine Ertragsprognose rechnet mit langjährigen Wetterdaten für den Standort, mit dem gemessenen Verbrauchsprofil des Gebäudes und mit den technischen Daten der Komponenten. Was sie nicht leisten kann, ist vorherzusagen, wie sonnig ein einzelnes Jahr wird oder ob sich die Nutzung des Gebäudes ändert. Abweichungen von einigen Prozentpunkten sind deshalb normal und kein Zeichen von schlechter Planung.

Deshalb versprechen wir auch keine Einsparung in Euro. Der finanzielle Vorteil ergibt sich aus der eigenverbrauchten Strommenge und dem Tarif, den der Betreiber sonst zahlen würde. Diese Rechnung aber kann nur er selbst anstellen. Was wir vorher nennen, ist die realistische Größenordnung des Eigenverbrauchs, und die hat in Riesa gehalten.

Fazit

Zwei Prozentpunkte über Plan beim Autarkiegrad, sieben darunter bei der Eigenverbrauchsquote: Für eine Prognose, die ein Jahr vor Inbetriebnahme entstanden ist, ist das ein belastbares Ergebnis. Es zeigt vor allem, dass die Auslegung auf Basis gemessener Verbrauchsdaten funktioniert. Wie diese Messung abläuft und warum sie bei der Kita den Ausschlag für den Speicher gegeben hat? Das berichten wir bald.

Wenn Sie ein Gebäude betreiben und wissen möchten, welche Größenordnung an Eigenversorgung dort realistisch ist, sprechen Sie uns an. Wir messen, bevor wir planen – und sagen Ihnen auch, wenn sich eine Anlage nicht lohnt.

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