Repowering in Stollberg: Warum wir eine PV-Anlage mit exakt derselben Leistung neu gebaut haben

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Eine Dachsanierung ist für den Betreiber einer PV-Anlage meist eine lästige Pflicht: Module runter, Dach sanieren, Module wieder rauf, möglichst schnell und am besten so wie vorher. Beim Autohaus Hilmer in Stollberg stand genau das in diesem Jahr an. Wir haben die dieselbe Anlage wieder aufgebaut – aber so, dass sie dem Kunden trotzdem mehr bringt. Nicht durch mehr Leistung, sondern durch eine andere Ausrichtung und einen Speicher, der zu seinem Verbrauch passt.

Was Repowering normalerweise bedeutet – und was wir daraus gemacht haben

Bei einem Repowering wird eine bestehende Anlage in der Regel gegen eine leistungsstärkere ausgetauscht: moderne Module mit höherem Wirkungsgrad auf dieselbe Fläche und am Ende profitiert der Kunde von mehr kWp. Das war in Stollberg nicht unser Ziel. Die Leistung der Anlage ist nach dem Umbau immer noch exakt dieselbe wie vorher.

Verändert haben wir allerdings die Ausrichtung. Die Module standen bisher nach Süden. Jetzt stehen sie in Ost-West-Aufstellung. Der Unterschied liegt im Tagesverlauf: Eine Südanlage liefert ihren Strom konzentriert in der Mittagsspitze. Eine Ost-West-Anlage beginnt früher am Morgen, liefert mittags etwas weniger, aber hält dafür bis in den Abend durch. Ein Autohaus, dessen Verbrauch um sieben Uhr auf 8 bis 10 kW springt und erst gegen 18 Uhr wieder abfällt, hat davon deutlich mehr als von einer steilen Mittagsspitze.

Zwar erzeugt eine Ost-West-Anlage übers Jahr etwas weniger Strom als dieselbe Leistung nach Süden. Dafür wird aber ein größerer Anteil davon direkt verbraucht statt eingespeist. Ob sich dieser Tausch lohnt, hängt vom Gebäude ab – und das lässt sich nur mit Messdaten entscheiden.

Erst messen, dann umbauen

Bevor wir die Entscheidung getroffen haben, lief am Standort von Ende März bis Mitte Mai eine Messung über 46 Tage. Aufgezeichnet wurden parallel drei Größen: die Erzeugung der Bestandsanlage, die Einspeisung ins Netz und der Bezug aus dem Netz. Aus diesen drei Werten lässt sich der tatsächliche Verbrauch des Kunden rechnerisch isolieren.

Das Ergebnis war eindeutig:

  • An Werktagen verbraucht das Autohaus rund 88 kWh, am Wochenende 23 kWh. Nachts laufen konstant etwa 840 Watt durch.

  • Die Anlage erzeugte im Messzeitraum durchschnittlich 229 kWh pro Tag – gut das Dreifache des Verbrauchs. Der Großteil ging ins Netz.

  • Trotzdem kamen 27 Prozent des Stroms, den das Autohaus verbrauchte, weiterhin aus dem Netz: im Schnitt 18,6 kWh pro Tag, an Werktagen 22, an einem Schlechtwettertag bis zu 88.

Dieses letzte Ergebnis ist das entscheidende. Eine Anlage, die dreimal so viel erzeugt, wie das Gebäude braucht, und trotzdem ein Viertel des Verbrauchs dem Netz überlässt, hat kein Mengenproblem, sondern ein Zeitproblem. Der Strom kommt mittags, der Bedarf verteilt sich über den Tag und die Nacht.

Energie speichern

Im Oktober haben wir die Anlage schließlich um einen Stromspeicher mit 23,7 kWh Kapazität ergänzt. Die Größe entspringt direkt unserer Messung: An 36 der 46 Messtage lag die Menge, die das Autohaus noch aus dem Netz beziehen musste, unter 23,7 kWh. An diesen Tagen hätte der Speicher die Lücke vollständig geschlossen. Die übrigen zehn Tage waren überwiegend Schlechtwettertage, an denen auch ein doppelt so großer Speicher nicht geholfen hätte, weil die Anlage ihn gar nicht hätte füllen können. Ein größerer Speicher hätte also an den meisten Tagen halbvoll gestanden, ein kleinerer die Nächte nicht gedeckt.

Tagsüber lädt die Ost-West-Anlage den Speicher über einen längeren Zeitraum, als eine Südanlage es könnte. Beides greift also schlüssig ineinander.

Warum wir das tun

Ein Kunde, der seine PV-Anlage selbst gekauft hat, würde sie nach einer Dachsanierung in aller Regel genauso wieder aufbauen lassen wie vorher. Zusätzliche Messungen, eine Neuauslegung, ein gesonderter Speicher: Das ist Mehraufwand, der sich für eine einzelne Anlage selten rechnet, wenn man ihn als Eigentümer tragen muss.

Bei uns ist das anders. Im Contracting gehört die Anlage über die gesamte Vertragslaufzeit ESAM. Wir tragen die Investition, den Betrieb und das Risiko, und wir haben ein eigenes Interesse daran, dass der erzeugte Strom beim Kunden ankommt und nicht ins Netz geht. Deshalb lohnt es sich für uns, eine Anlage auch Jahre nach der Inbetriebnahme noch einmal anzufassen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Für den Kunden ändert sich nichts an seinem Vertrag und nichts an seinen Kosten. Er bekommt eine Anlage, die besser zu seinem Verbrauch passt, und einen Speicher, den er nicht bezahlt hat.

Fazit

Repowering heißt für uns nicht automatisch mehr Leistung. Es heißt: prüfen, ob eine Anlage noch zu dem passt, was das Gebäude darunter braucht – und wenn nicht, gilt es, sie anpassen. In Stollberg war die Dachsanierung der Anlass. Die Messung hat gezeigt, dass ein Viertel des Verbrauchs trotz 60 kWp auf dem Dach aus dem Netz kam. Die Ost-West-Ausrichtung und der 23,7-kWh-Speicher schließen diese Lücke an den meisten Tagen des Jahres.

Wenn Sie eine PV-Anlage betreiben, die seit der Inbetriebnahme niemand mehr nachgerechnet hat, oder vor einer Dachsanierung stehen, sprechen Sie uns an. Die Messung ist der erste Schritt, und sie zeigt auch, wenn sich ein Umbau nicht lohnt.

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