Sven Wilhelm beim Unternehmertreff der MIT in Wermsdorf
Allgemein

Wer übernimmt den Mittelstand?
Dass diese Frage nicht nur uns bei ESAM bewegt, war beim gemeinsamen Treffen der Kreisverbände Meißen und Nordsachsen der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) deutlich zu spüren. Am vergangenen Mittwochabend folgten rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region der Einladung nach Wermsdorf, um über die Zukunft des deutschen Mittelstandes zu diskutieren.
Denn um diese ist es derzeit alarmierend bestellt.
Das große Problem: Kaum einer möchte heute mehr ein Unternehmen übernehmen und gewissenhaft weiterführen.
Aktuelle Zahlen zeigen, wie ernst die Lage für viele Betriebe ist:
Bundesweit planen bis Ende 2026 rund 186.000 mittelständische Unternehmen eine Übergabe.
Weitere 243.000 planen die komplette Stilllegung, weil sie schlichtweg keinen Nachfolger finden.
Der Blick nach Sachsen zeigt: Auch in unserer Region stehen allein zwischen 2026 und 2030 rund 7.400 Unternehmen zur Übergabe an.
Bis es bei ESAM soweit ist, haben wir zum Glück noch ein wenig Zeit. Trotzdem stellt sich auch für unseren ESAM-Geschäftsführer Sven Wilhelm die drängende Frage: Was passiert mit dem sächsischen Mittelstand, wenn niemand nachkommt? Und ganz konkret: Was wird dann aus Unternehmen wie ESAM?
Denn dabei geht es um weit mehr als nur das Fortbestehen einzelner Firmen: Es geht um die Wirtschaftskraft und nicht zuletzt um die grüne Zukunft unserer gesamten Region.
Klare Worte aus der Politik
Als Vorsitzender des MIT-Kreisverbandes Meißen war Sven Wilhelm nicht nur maßgeblich an der Organisation der Veranstaltung beteiligt, sondern selbst Teil der Podiumsdiskussion – und das in bester Gesellschaft.
Ehrengast des Abends war Thorsten Frei, der neu gewählte Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er fand klare Worte für die derzeitige Situation und adressierte eindeutige Verantwortlichkeiten an die Politik:
„Das Thema Unternehmensnachfolge ist für unseren deutschen Mittelstand essenziell. Die Politik kann aber keinen Nachfolger vorschreiben. Sie muss dafür sorgen, dass eine Übergabe nicht an Bürokratie, am Steuerrecht oder an schlechten Rahmenbedingungen scheitert.“
Gemeinsam mit seiner Fraktion arbeitet er deshalb engagiert daran, dass es sich auch in Zukunft noch lohnt, ein Unternehmen zu führen und Verantwortung als Arbeitgeber zu übernehmen.
Weitere hochkarätige Gäste vervollständigten die Runde, darunter Dr. Katrin Leonhardt (Vorstandsvorsitzende der Sächsischen Aufbaubank), Kai Mindel (Leiter der Vertretung des Freistaates Sachsen bei der Europäischen Union) und Markus Renner (Oberbürgermeister der Stadt Meißen). In drei intensiven Gesprächsrunden tauschten die Gäste wertvolle Erfahrungen, Perspektiven und Impulse zu Förderpolitik, Standortbedingungen und der Nachfolgeproblematik aus.
Ländliche Regionen als Vorreiter bedroht
Ein wesentlicher Schwerpunkt des Abends lag auf der Analyse der aktuellen Arbeitsmarktsituation. Dabei wurde deutlich, dass der ländliche Raum ein besonderes Augenmerk verdient. Nordsachsen weist eine Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent auf, der Landkreis Meißen sogar nur 5,8 Prozent. Damit liegen beide Landkreise deutlich unter den Werten der Großstädte Leipzig und Chemnitz.
Trotz dieser starken Zahlen kämpft Nordsachsen mit der Abwanderung in die Städte. Bis 2040 wird der Landkreis Schätzungen zufolge rund 15.000 Einwohner an die Ballungszentren verlieren.
Dr. Christiane Schenderlein, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Nordsachsen, appellierte angesichts dieser Prognosen an die Entscheidungsträger:
„Nordsachsen hat eine niedrigere Arbeitslosenquote als Leipzig und Chemnitz und verliert trotzdem Jahr für Jahr Einwohner. Wer diesen Widerspruch auflösen will, muss mit den Unternehmern reden, die hier investieren, und nicht über sie. [...] Um den Wohlstand in unserer Region zu sichern, brauchen wir auch in Zukunft starke Unternehmen.“
Entscheidender Stichtag für Familienbetriebe
Für künftig starke Unternehmen braucht es neben dem Entgegenkommen der Politik vor allem verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen. Zahlreiche Unternehmen in ganz Deutschland richten deshalb ihren Blick nun gespannt auf den 13. Oktober.
An diesem Tag verhandelt das Bundesverfassungsgericht über die steuerliche Verschonung von Betriebsvermögen. Für viele Familienbetriebe hängt von diesem Urteil ab, ob eine Übergabe an die nächste Generation in Zukunft überhaupt noch wirtschaftlich darstellbar bleibt.
Fazit des Abends
Solange die politischen, bürokratischen und rechtlichen Hürden nicht abgebaut werden, um das Unternehmertum für potenzielle Nachfolger wieder attraktiv zu machen, bleibt der Kampf um die Unternehmensnachfolge im Alleingang oft aussichtslos.
Umso wichtiger sind starke Netzwerke, die Unterstützung und Rückhalt bieten.
Wir bei ESAM sind deshalb besonders stolz und dankbar, mit der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), in der sich unser Geschäftsführer Sven Wilhelm als Kreisverbandsvorsitzender aktiv engagiert, einen so starken Verbund an unserer Seite zu haben.


